Puno
20.12. - 22.12.2001

20.12.2001, Donnerstag

Wieder einmal ist ein Reisetag angesagt, es geht weiter nach Puno. Puno liegt bereits in Peru und auf 3830m Höhe ebenfalls wie Copacabana unmittelbar am Titicacasee. Puno ist die Hauptstadt des gleichnamigen Departamento.

Da der Bus aber erst um 13:30 Uhr losgeht, haben wir noch fast einen halben Tag in Copacabana. Wir packen, deponieren das Gepäck an der Rezeption und gehen hinunter in die Stadt, wo wir im Reisebüro unsere Busplätze reservieren. Als wir das Reisebüro verlassen fängt es an zu regnen - typisch. Wir wollen Richtung Kirche, wo sich jeden Tag um 10:00 Uhr und um 14:30 Uhr das gleiche Schauspiel wiederholt: Franzikanerpater Bernadino kommt vor die Kirche, um die festlich geschmückten Autos und LKWs zu segnen. Scheinbar lässt sich der Pater aber doch vom schlechten Wetter abhalten denn mittlerweile regnet es in Strömen. Kurz vor 11:00 Uhr wird es aber besser und als der Pater aus der Kirche kommt verdrängen die ersten Sonnenstrahlen die verbleibenen Regenwolken.


Pater Bernardino segnet die geschmückten Autos, das weisse auf dem rechten Bild sind Blütenblätter, die auf die bereits gesegneten Autos gestreut werden

Schlagartig, innerhalb von 5 Minuten, wird es vom kühlen Regenwetter wieder tropisch heiss. Nach der Segnung ist nun eine Stärkung angesagt. Wir essen zu Mittag, investieren die (vor-)letzten Bolivianos in eine der bunten Decken und holen unser deponiertes Gepäck von Hostal. Die letzten Bolivianos verbraten wir auf den Bus wartend mit Wasser und Mate de Coca.

Um 13:30 fahren wir dann erstmal eine Stadtrunde mit dem Bus, steigen quasi an der Stelle wieder aus, an der wir eingestiegen sind, wechseln den Bus und nun kann es losgehen in Richtung Puno. Die Strecke bis nach der Grenze ist eine einzige Holper-Sandstrasse. An der Grenze müssen wir aussteigen, Ausreisestempel in Bolivien eintragen lassen, zu Fuß über die Grenze gehen, Einreisestempel in Peru abholen und weiter geht es mit dem Bus, der auch erstmal, vor der Einreise, tüchtig desinfiziert wird (Ich habe zwar keine Ahnung warum, auf der anderen Seite der Grenze sieht es auch nicht besser aus, aber von mir aus ...) So um 17:00 Uhr sind wir in Puno.

Auf dem Weg zu unserem Hotel, das wir von zuhause aus reserviert hatten, werden wir, als wir nach dem Weg fragen zweimal darauf hingewiesen, dass das Hotel gerade abgerissen bzw. umgebaut wird. Ja ja, die wollen uns sicher nur in ihr Hotel abschleppen - dachten wir zumindest. Als wir am Hotel ankommen werden wir von Preßluftgehämmer und Baulärm gegrüßt. Aber der nette Herr an der Rezeption versichert uns, dass unser Zimmer in Ordnung sei und dass der Baulärm ja nur von 8:00 Uhr bis 17:00 dauert. Ich weiss ehrlich nicht, warum wir uns das Zimmer überhaupt angesehen haben, aber als das auch nur sehr mittelmässig war stand die Entscheidung fest ... wir ziehen um. Ein kleiner Disput mit dem Herrn an der Rezeption, warum er am Telefon nichts vom Umbau erwähnt hat und wir sind weg. Das Hotel Colon Inn, zwei Strassen weiter, hat Zimmer frei, ist um Klassen besser und hat ausserdem keine Baustelle im Haus. (leider hatten sie nur ein Zimmer für zwei Nächte, aber die Chefin versprach uns, sie würde uns für die dritte Nacht ein gleichwertiges Hotel beschaffen können). Ein Boy vom Hotel half mir, unser Gepäck, das noch im anderen Hotel war abzuholen, nachdem die Chefin vom Colon Inn dort anrief und mitteilte, dass wir umziehen werden.

Anschliessend machen wir noch einen kurzen Stadtrundgang, reservieren den Ausflug für morgen und gönnen uns ein feines Abendessen im Restaurant Plaza.


21.12.2001, Freitag

Um 7:00 geht's los. Ein Bus bringt uns zum Hafen und wir legen kurz darauf ab zu den Urus. Etwa 40 Minuten später kommen wir bei den Schilfinseln der Urus an.

Die heute dort lebenden Urus sind als Mestizen eigentlich nur noch Nachfahren des ursprünglichen Volkes. Der letzte reinrassige Uru starb laut Reiseführer wahrscheinlich um 1958. Besonderes Kennzeichen, seien es nun reinrassige oder nur gemischte Urus: Sie leben auf gebauten, schwimmenden Schilfinseln. Diese Inseln sind vielleicht im Schnitt 20 x 10 Meter gross, beherbergen ein paar Hüttchen und die darin lebenden Bewohner. Die Boote dieser Urus sind ebenso wie die Inseln aus Schilf gemacht und dieses für den Titicacasee so typische Schilf kann man sogar essen, zumindest die Wurzeln. Das Problem der Idylle ist nur, dass sowohl Schilfinseln wie auch Schilfboote relativ schnell verfaulen und deshalb ersetzt (Boote) oder mit einer neuen Lage Schilf aufgestockt werden müssen (Inseln). Einziger Luxus auf den Inseln: Einige Solarzellen, mit denen mittlerweile Telefone und Fernseher auf den Inseln betrieben werden. Die armen Insel-Urus sitzen also den lieben langen Tag auf ihrem feuchtem Schilf, holen sich Rheuma (kein Witz, die meisten sind wirklich ziemlich Rheuma krank), bessern ihr Inselchen aus und vor allem: warten auf zahlungskräftige Touris (wie uns), die die Insel-Urus besuchen wollen. Damit das für uns Touris leichter ist und wir nicht so weit über den Titicacasee fahren müssen, hat man gleich ein paar Schilf-Inselchen gebaut, die viel näher an Puno und ausserdem auf der Strecke zur "richtigen" Insel Taquile liegen.
So hat sich das früher sehr eigenständige Uru Volk, das von den Inka nie unterworfen werden konnte, mittlerweile dem Tourismus völlig verschrieben, und die Frage bleibt, wie lange sich die Nachfahren noch diesem Schauspiel hingeben. Die Mehrheit der jungen Urus lebt wohl mittlerweile in richtigen Häusern in Puno und hat den Inseln Adieu gesagt.


Die Inseln der Urus

Anschliessend geht es weiter zur Insel Taquile (wie gesagt, die Urus liegen ja praktischerweise direkt auf dem Weg dorthin). Die Fahrzeit für die ca 35 km beträgt etwa 2 Stunden und wir haben wieder einen herrlichen Fussmarsch vor uns, der jedoch, wie alle Märsche in dieser Höhe recht anstrengend ist. Die Steigung ist jedoch sehr gemässigt, so dass wir nach gut einer halben Stunde nicht allzusehr ausser Atem im Dorf ankommen. Typisches Merkmal von Taquile: Die strickenden Männer. Die Frauen spinnen und weben, die Männer stricken, vor allem Mützen, in Farben, die den Stand und die Stellung des Mützenträgers genau definieren. Natürlich stricken die Männer mittlerweile auch, um die Mützchen an die Touris zu verkaufen, aber das Dorf wirkt alles in allem noch recht ursprünglich. Aber auch hier werden die ersten Touristenherbergen gebaut, wer heute dort übernachten will, muss dies noch privat bei einer der Familien tun. Auf dem schönen Marktplatz erfahren wir alles wissenwerte über die Insel und ihre Bewohner und nach einem - wie eigentlich bislang immer - sehr leckerem Essen (Fisch aus dem Titicacasee, was sonst) geht es durch das Eingangstor, dem Bogen der Freundschaft, und 530 Stufen hinunter zum Hafen. Wie gut, dass wir von der anderen Seite, über den flacheren Weg gekommen sind und die Stufen erst jetzt, nach unten, nehmen. Adios Taquile, der Besuch war die lange Bootsfahrt wirklich wert.


Dorfplatz von Taquile (da stricken sie schon wieder) - Abschied am Bogen der Freundschaft

Mit dem Boot geht es zurück nach Puno, wo wir gegen 18:00 Uhr ankommen. Heute ist Pizza angesagt, danach noch ein Bier und zurück ins Hotel.


22.12.2001, Samstag

Heute haben wir mal einen etwas ruhigeren Tag geplant. Um 8:00 gehen wir frühstücken und drehen anschliessend eine Runde in der Stadt. Da wir heute Hotel wechseln müssen (das Colon Inn hatte ja nur für zwei Nächte was frei) packen wir und legen uns nochmal bis Mittag hin. Um halb 12 fahren wir ins Hotel Italia. Das Zimmer dort ist schön und sogar billiger als im Colon Inn.
So jetzt müssen wir aber los, für 14:00 haben wir den Ausflug nach Sillustani geplant. Sillustani liegt etwa 30 km von Puno entfernt auf einer Halbinsel am Umayo-See und ist bekannt wegen seiner Begräbnistürme (Chullpas).
Auf einem etwa 150m hohem Berg ragen die Chullpas in die Höhe. Der grösste Begräbnisturm, die Chullpa del Lagarto (aufgrund einer Eidechsenverzierung), war ursprünglich über 12 Meter hoch und hatte einen Durchmesser von über 7 Meter. Der gesamte Platz ist sehr beeindruckend. Als während der Erklärungen, die teilweise schon fast ins Mystische reichen, eine Strumfront um uns herum aufzieht, kommt eine unheimliche Stimmung auf.


Die chullpa del Lagarto, auf einer Seite von den Spaniern zerstört ...

Beim Rundmarsch treffen wir noch auf andere Bewohner, eine Herde Alpacas. Die ersten in "Fotonähe":


Alpacaherde bei Sillustani

Am Abend geht es nochmal (zum wievielten Male eigentlich?) Forelle essen. Musikanten die durch die Lokale ziehen und typische Anden Musik spielen (bekannt von jedem besseren deutschen Markplatz) sorgen für eine gute Stimmung im Lokal. Sie verkaufen sogar CDs: Made in Germany.