La Paz
15.12. - 17.12.2001
15.12.2001, Samstag


Gestern Abend waren wir noch Pizza essen, die Ferien einläuten sozusagen, da fällt natürlich das aufstehen besonders schwer, vor allen um 4:30 morgens. Um halb 6 Uhr holt uns das Taxi ab und bringt uns zur Caprioli Bushaltestelle, von wo der Shuttle Bus zum Flughafen São Paulo, Garulhos, abfährt. Wir warten auf unseren Varig Flug VRG 8880. Natürlich - wie in den letzten Monaten üblich - fliegen wir nicht pünktlich ab. Der für 10:20 Uhr geplante Flug ist erstmal auf 11:15 verschoben. Tja Geduld ist alles ... Auf den Sitzplätzen um uns herum wird schon mehr Spanisch als Portugiesisch gesprochen und wir sind gespannt, wie es klappen wird mit der Verständigung. Die ganz Ungeduldigen stehen schon Schlange vor dem Gate, obwohl wir laut Ankündigung noch mindestens 20 Minuten auf das Boarding warten müssen. Übrigens ... es regnet. Seit Tagen regnet es und angeblich (Internet) regnet es auch in La Paz. Nur dass es dort etwa 20 Grad kälter ist als in Campinas. Hoffentlich passen unsere Sachen für das Wetter, das uns bevorsteht.
So, endlich unser Flug wird zum Boarding aufgerufen, die Masse setzt sich in Bewegung ... da biegt der Robert ums Eck !!! Träume ich schon? Aber er ist es tatsächlich! Mein Kollege aus Deutschland ist auf dem Weg nach Rio de Janeiro und hatte Zwischenlandung in São Paulo. Er sucht gerade sein neues Gate. Unglaublich, die Welt ist klein. Leider haben wir nur noch 10 Minuten Zeit zum "Ratschen", dann müssen wir als Letzte auch boarden. Mit einer Boeing 747 geht es nach Santa Cruz (Bolivien), wo wir zwischenlanden.
Die Landschaft ist bereits völlig anders als in Brasilien. Flach und immer wieder vereinzelt stehende Palmen auf den Weiden. Nach dem Auftanken und Saubermachen des Flugzeugs geht es weiter in Richtung La Paz. Leider ist es total wolkig und wir sehen nichts von den erwarteten Andengipfeln. Als das Flugzeug bereits etwas tiefer geht reisst die Wolkendecke auf und wir sehen, dass wir knapp (wahrscheinlich ein paar hundert Meter ...) über verschneite Andengipfel fliegen.
El Alto, der Flughafen von La Paz, liegt auf einer Hochebene in 4100 Meter Höhe, die von 6000ern umrahmt wird - ein atemberaubendes Bild. Wir landen. Wegen der dünnen Luft benötigen die Flugzeuge in La Paz übrigens eine besonders lange Landebahn, das Flugzeug wird auch kaum langsamer, aber wir kommen doch irgendwann zum stehen.
Als wir aussteigen haben wir beide ein komisches Gefühl. Merken wir die Höhe oder bilden wir uns nur ein, dass wir die Höhe merken... eigentlich geht es uns ganz gut, man muss halt etwas langsamer machen. Auf 4000 Meter Höhe hat man nur noch etwa 70% der normalen Sauerstoffmenge in der Luft. Nach einer etwas längeren Wartezeit auf unsere Koffer und den ersten Fotos geht es mit dem Taxi in den ca. 500m tieferliegenden Talkessel von La Paz.


Am Flughafen "El Alto" - Fahrt hinunter nach La Paz

Nach 20 Minuten sind wir im Hotel Gloria angekommen. Die telefonische und email-Reservierung hat geklappt und gegen 15:30 Uhr Ortszeit (=17:30 Campinas) liegen wir erstmal im Bett und schnappen nach Luft. Aber eigentlich geht es uns besser als gedacht.


Blick vom Hotelzimmer

Schon eine Stunde später sind wir unterwegs und kaufen uns erstmal einen Mate de Coca (Tee aus Cocablättern, der für die Höhenaklimatisierung und eigentlich auch alles andere hilft). Maria würgt etwas, aber mir schmeckt er ganz gut. Den Tee trinken wir in einem kleinem Internetcafé in der Calle Sagarnaga, in der Nähe der Iglesia San Francisco. La Paz ist scheinbar die Stadt der Internetcafés, vor allem auf dem Prado, der breiten Flanierstrasse in La Paz, ist alle paar Meter eins.


Vom Café auf den Turm der Iglesia San Francisco, Maria "geniesst" ihren ersten Mate de Coca

Nach unserer Stärkung marschieren wir den Prado hinab, bis zur Plaza del Estudiante und kehren über die Plaza Murillo zum Hotel zurück.


Plaza Murillo

Es ist schon 19:00 Uhr, ganz schön viel gelaufen für den ersten Tag in dieser Höhe. O.K. erstmal noch ein Mate de Coca, dann Reisebericht schreiben. Heute machen wir nichts mehr, viel schlafen, das hilft für die Höhenanpassung.


16.12.2001, Sonntag


So, 6:00 Uhr morgens und ich bin seit etwa einer Stunde schon wach. 9 Stunden Schlaf sind wirklich reichlich. Wir gehen frühstücken und im Frühstücksraum ist schon eine österreichische Reisegesellschaft versammelt. Nach dem üblichen Mate de Coca mit Toast und Marmelade geht's zur Plaza San Francisco, wo wir glauben, dass die Busse zum Mondtal abgehen. Da die Iglesia offen ist gehen wir rein und hören ein wenig dem Gottesdienst zu, bevor wir auf den Micro (-bus) mit der Nummer 11 warten, der zum Mondtal geht.


Iglesia San Francisco

Der Bus kommt und kommt nicht, also gehen wir etwas den Prado hinab, vielleicht geht er ja weiter unten weg... kaum gehen wir ein Stück, da biegt der Bus um die Ecke ... von der nächsten Seitenstrasse kommend. Da hätten wir lange warten können. Obwohl die Micros elend langsam fahren, sind wir eine halbe Stunde später im Mondtal. Das Mondtal ist eine durch Auswaschungen entstandene bizarre Landschaft. Wie Stalagmiten ragen Felstürme empor. Es gibt einen etwa 30-minütigen Rundweg durch das Tal, anschliessend wandern wir entlang der Strasse in Richtung Kakteengarten.


Im Mondtal - der Weg zum Kakteengarten

Am Kakteengarten angekommen sehen wir auch schon aus Richtung Marsalla einen Micro Nr 11 zurück in Richtung Prado. Der Kakteengarten, den wir auf unserer Wanderung schon von oben einsehen konnten, haut uns nicht gerade vom Hocker und so halten wir den Micro an und fahren zurück in die Stadt.

Es ist immer noch früh, also gehen wir mal den Sadtteil ab, den wir noch nicht kennen, der aber recht vielversprechend ist - die Märkte. In der Calle de las Brujas (Hexengasse) kann man alle vorstellbaren Inkarepliken, aber auch Pülverchen und z.B. Lamaföten kaufen. Lamaföten sind unbedingt beim Neubau eines Hauses in alle 4 Ecken einzumauern, das bringt Glück ... nur ein Tipp, falls ihr das noch nicht gewusst haben solltet.
Wir laufen etwa 2 Stunden durch alle möglichen Märkte: Kräuter, Obst, Fleisch, anschliessend Kleidung, Schuhe usw. In La Paz gibt es alles, was man braucht, auf den Märkten.


Die "Hexengasse": Calle de las Brujas - ein Micro in Marktviertel

Gestärkt durch einen weiteren Mate de Coca besichtigen wir nun das Coca-Museum. Viele Infos und wirklich alles über Coca. Vom Coca Gebrauch der Indios bis zur Entwicklung von Kokain und dessen medizinische Verwendung und Missbrauch. Das Museum ist sehr gut mit Infoheften in allen Sprachen ausgestattet, die alle Details hervorragend erklären.

Es ist nun schon fast 14:00 Uhr und wir haben Hunger. Im Café Ciudad, an der Plaza del Estudiante, gibt es leckere Gerichte. Ich esse aber nur ein Pizzastück, Maria eine Suppe, wir wollen ja abends noch weg gehen. Nach einer Ruhepause im Hotel wandern wir über die Weihnachtsmärkte und landen schliesslich wieder im Café Ciudad. Wir gehen früh zurück ins Hotel, für morgen ist der Besuch von Tiwanaku geplant.


Nachts von unserem Hotel aus: Blick auf den Weihnachtsmarkt und die beleuchteten Wohngebiete


17.12.2001, Montag


Schon gestern hatten wir für heute den Ausflug nach Tiwanaku gebucht. Gegen 8:30 holt uns der Bus vom Hotel ab und los geht's. Über El Alto (Flughafen) und das Altiplano fahren wir mit Blick auf die Kordilliere Real nach Tiwanako.


Die Kordilliere - Bauernhof an der Strasse

Tiwanaku ist eine der wichtigsten archäologischen Stätten in Bolivien. Die Ruinen sind etwa 70 km von La Paz entfernt, aber leider nur noch teilweise erhalten, bzw erst teilweise ausgegraben. Die folgenden Fotos geben ein paar Eindrücke:


Unsere Führerin vor dem Inkakreuz - Der Haupttempel


Das Sonnentor Intipunku - Der Ponce-Monolith

Nach 2 Stunden Führung durch die Ruinen machen wir Mittagspause - Lamasteak und Mate de Coca. Das Lama schmeckt echt lecker! Anschliessend noch eine Runde im Museum, das direkt ggü den Ruinen liegt, anschliessend geht es zurück nach La Paz. Jetzt müssen wir erstmal Bustickets für morgen kaufen, ein paar Alpacapullies anprobieren, dann ins Hotel zum Rasten. Später gehen wir noch mal in die Stadt und bleiben im Café Colon, ein nettes Lokal im Kolonialstil (laut Maria mit den besten Falafel auserhalb Kairos). Es fängt an zu regnen. Wenigstens hatten wir zwei Tage lang Glück, abends kann es von mir aus regnen. Wir nehmen ein Taxi zurück zum Hotel, noch etwas fernsehen dann schlafen. Morgen müssen wir früh raus, es geht weiter nach Copacabana.