Cusco
23.12. - 27.12.2001
23.12.2001, Sonntag
Um 7:30 Uhr - pünktlich ! - fährt der First Class Bus los in Richtung Cusco. Eigentlich wollten wir
zunächste den Zug von Puno nach Cusco nehmen, sind aber durch die Reise von Uta und Hubert
(http://www.kuris-world.com)
und eMails mit ihnen auf die Idee gekommen, dass der Bus besser sein könnte.
Der First Class Buss (die Firma heisst so) ist zwar deutlich teurer als andere Buslinien, der Bus
hat aber Vorteile. Während die anderen Busse und der Zug nach Cusco ohne Halt durchfahren,
macht First Class Zwischenstopps an historischen Plätzen, es gibt einen Reiseführer zusätzlich zum
Busfahrer, wir machen eine Mittagspause mit Lunch (sehr gut und im Preis drin) und - wir sind nur
7 Passagiere im Luxusbus.
Interessant ist schon die Fahrt durch Juliaca, die nächstgrössere Stadt hinter Puno,
wo heute am Sonntag reges Markttreiben herrscht.
An manchen Plätzen ist kaum ein Durchkommen durch die Marktstände und vor allem die vielen
Fahrradrikschas, die sowohl Menschen als auch Waren transportieren (Schafe, Lamas, Gemüse, Obst
etc.)

Fahrt durch Juliaca
Der erste Stopp ist in Pucará, etwa 2 Stunden hinter Puno. Ein Siedlung aus der Prä-Inkazeit,
die erst 1940 freigelegt wurde, und sehr beindruckende Bauten, aber vor allem auch Säulen mit
Katzenfisch Motiven aufweist.
Etwa 100 km später halten wir am La Raya Pass auf 4335 Meter Höhe, dem höchsten Punkt unserer Reise.
Ein kurzer Zwischenstopp, begutachten der üblichen Alpaca Pullis und der Waren, die die Händler hier,
wie an allen anderen Orten, an denen vielleicht ein Touri halten könnte, anbieten und weiter gehts.
Nach einer Mittagspause in Sicuani kommen wir nach Raqchi, einem Inka Tempel der Wiracocha geweiht
war, aber wohl bereits vor der Inka Zeit bestand und wohl aus der Tiwanaku-Kultur entstand.

Ruinen von Pucará - Am La Raya Pass

Ruinen von Raqchi
Durch all die Stopps und Erklärungen auch im Bus vor den jeweiligen Besichtigungen vergeht die
Zeit wie im Flug. Wir kommen um 16:30 in Cusco an und werden sogar von einem Kleinbus unseres
Hotels Garcilaso am "Busbahnhof" abgeholt. Das Hotel ist schön, ein toller Patio und wir haben ein
Zimmer im ersten Stock. Und das Beste ist: Das Hotel ist nur etwa 3 Minuten von der Plaza das Armas,
dem Hauptplatz Cuscos, entfernt.
Der ersta Spaziergang in der Stadt begeistert uns, zwar sehr touristisch, aber doch die schönste
südamerikanische Stadt, die wir bislang gesehen haben. Eine einzigartige und unserer Meinung nach
gelungene Symbiose von Inkabauten und spanischem Kolonialstil, der sehr maurisch angehaucht ist.
Es ist ein bisschen wie Andalusien auf Inkaruinen. (Wenn das ein Inka hier liest, wird er es
zwar vielleicht nicht so gut finden, was die Spanier mit ihren Tempeln gemacht haben, aber -
sorry 'bout that - ich finds trotzdem imposant!).
Zum Abendessen gehen wir nochmal zur Plaza das Armas. Nach einer Runde durch die alten Gassen und
1000 Mal "Nein" zu Postkartenverkäufern, Restaurant"geiern", Zigarettenhändlern und beinahe hätte ich
es vergessen: schuhputzwütigen Kindern (clean your shoes my friend?) suchen wir uns das Bagdad-Café
aus, wo wir auf dem Balkon mit Blick über den Markplatz sitzen. Als es anfängt zu regnen - ein
richtiger Platzregen - leert sich die gesamte Plaza das Armas in Minuten. Alle Fleckchen waren zuvor
voll mit Leuten, die Stände für den morgen stattfindenden Weihnachtsmarkt aufbauten. Durch den Regen
wird es uns bald zu kalt auf dem Balkon und wir gehen nach innen, wo wieder eine peruanische Band
(Pachamama) für Unterhaltung sorgt. Die Bands ziehen von Restaurant zu Restaurant, spielen 15 - 30
Minuten, sammeln Kohle ein und sorgen dabei auch noch für gute Stimmung. Wir waren überzeugt und
haben diesmal eine CD erworben. (Sind alle Andenklassiker drauf, mein Tipp für den Diaabend :-))
24.12.2001, Montag
Heiligabend, da stehen wir mal erst um 8:00 Uhr auf. Aber richtige Pause gibt es keine, wir
frühstücken und auf gehts zum Stadtrundgang. Als erstes kaufen wir das Boleto Touristico (BT).
Das BT ist die Eintrittskarte für viele Sehenswürdigkeiten in und um Cusco (leider sind nicht alle
enthalten, so dass man immer wieder mal extra zahlen muss) und kostet 10 US$. Ein fairer Preis
finde ich. Anschliessend laufen wir zur Plaza das Armas. Kaum zu glauben, dass das
der Platz ist, an dem wir noch gestern Abend waren: Über Nacht zum Weihnachtsmarkt mutiert, tausende
von Händlern und zigtausende von Leuten, die schauen, staunen und einkaufen (wie wir auch).
Ach ja... und zig-zigtausende von Postkartenverkäufern, Schuhputzern, Zigarettenhändlern (hello
my friend) ... wir kennen das ja mittlerweile.
Wir beginnen unseren Stadtrundgang wie im Reiseführer Reise-Know-How beschrieben. Immer wieder
beindrucken uns die alten Inka Gemäuer, besonders natürlich die Calle Hatunrumiyoc (grosser Stein)
mit dem berühmten zwölfeckigen Stein (famous stone - there my friend!). Ein weiterer Höhepunkt ist
das Santo Domingo Kloster
(das BT gilt hier natürlich gleichmal nicht). Sie wurde, wie soviele Kirchen in Peru, über einem
alten Inka Tempel errichtet, der 1950 bei einem Erdbeben wieder teilweise freigelegt wurde - zur
Überraschung der Archäologen. In Inneren des Klosters ein eigenartiges Bild. Zwischen den Kirchen /
Klostermauern befinden sich mittlerweile ausgegrabene Teile des Sonnen- Mond- und einiger anderer
Tempel. Die Tempelmauern waren zur Inkazeit komplett mit Gold überzogen, man kann nur noch
grob ahnen welchen Eindruck diese Tempel damals auf die Inkas und wohl auch auf die ersten Spanier
machten.

In der Calle Hatunrumiyoc - Kloster Santo-Domingo
Durch die Calle Loreto gehen wir zurück zum Hotel, um etwas zu rasten.
Gegen Mittag geht es wieder los, erstmal nach Hause telefonieren wegen Weihnachten und dann
Mittagessen. Wir suchen uns wieder ein Lokal mit Balkon an der Plaza das Armas und beobachten
das Treiben unter uns:

Plaza das Armas mit Weihnachtsmarkt
Wir beschliessen, den Stadtrundgang ein andermal fortzusetzen und wollen stattdessen heute
Nachmittag die Inkafestungen um Cusco besuchen. Wir schnappen uns ein Taxi und lassen uns
für ein paar Soles nach Tambomachay fahren. Während wir die Ruinen besichtigen, wartet das Taxi.
Tambomachay ist ein Wasserheiligtum, Zweck noch umstritten. In dem 10 Meter hohen Tempel
gibt es Wasserkaskaden die durch gezielt angelegt Läufe nach unten plätschern. Ein Plätzchen, das
schön zum verweilen wäre, aber unser Taxi wartet und soviel ist auch nicht zu sehen.
Weiter gehts - nur ein paar hundert Meter - nach Puka Pukará, eine Festung direkt an der
Strasse nach Cusco gelegen, die wohl einen Kontrollpunkt für den Zugang zur Stadt bildete.

Tambomachay und Puka Pukará
Über Kenko, ein inkaisches Naturheiligtum mit Opferschalen in Zick-Zackform, Thron und einer
ziemlich zerstörten Puma-Statue, kommen wir nach Saqsaywaman. Hier schicken wir das Taxi zurück,
von dort nach Cusco kann man leicht zu Fuss gehen. Recht sportliche Wanderer gehen auch von Cusco
zu Fuss hinauf nach Saqsaywaman, aber das Klettern heben wir uns für Machu Picchu auf... Saqsaywawan
mit seinen enormen Festungsmauern beindruckt uns sehr. Drei parallel, schräg übereinander angelegte
Mauern umspannen ein Länge von 400 bis 600 Meter. Der schwerste Mauerstein misst dabei 9,40m Höhe
und hat ein Gewicht von 128 Tonnen. Ein Wunder wie solche Gewichte damals überhaupt bewegt werden
konnten. Die "Falkenfestung" (=Saqsaywaman) diente als Palast, als Schutzfestung, aber auch als
Zeremonialstätte. Heutzutage findet jedes Jahr am 21. Juni zur Wintersonnenwende das Fest des
Inti Raymi in Saqsaywaman statt. Tausende von Zuschauern, Touristen und Einheimische besetzen die
Mauerreste und den gegenüberliegenden Felsen und beobachten wie die Welt der alten Inka aufersteht.
In historischen Kostümen treten Inca, Soldaten und Priester auf. Leider konnten wir das nicht miterleben,
ziemlich genau ein halben Jahr zu früh/bzw zu spät waren wir dran, aber man kann sich gut vorstellen,
das hier die richtige Atmosphäre für ein solches Spektakel ist. Fast zwei Stunden bleiben wir hier,
bevor wir zu Fuss in 20 Minuten nach Cusco hinabschlendern.

Die Mauern von Saqsaywanan (man beachte die Grösse der Menschen im Verhältnis zu den Felsen)
und der Platz vor den Mauern, auf dem alljährlich das Inti Raymi Fest stattfindet
Nach dem anstrengenden Nachmittag gönnen wir uns noch einen Mate de Coca und Kuchen im Café
Varayoc, dann ins Hotel zum Ausruhen, ist ja schon 18:00 Uhr vorbei.
Im Fernsehen schauen wir uns Bilder von Weihnachten im verschneiten Deutschland an - und pflegen
den Sonnenbrand auf unseren Nasen.
Später am Abend gehen wir wieder ins Bagdad Café zum Essen, hier ist einfach der Balkon mit der
schönsten Aussicht. Ausserdem kann man schön das Heiligabend-Feuerwerk auf der Plaza beobachten.
Kurz vor 22:00 Uhr gehen wir Richtung Kathedrale, da man uns gesagt hat, dort würde um 22:00
eine Christmette beginnen (wie wir später gemerkt haben, ist die Kathedrale innen ziemlich
am Renovieren und somit völlig unbenutzbar). Tja, also, Kathedrale war zu, nebenan in La Compañia
war aber offen und hatte Mette, leider quasi schon fast zuende. In Santo Domingo dasselbe Spiel.
Mette war quasi schon vorbei. Naja, keiner kann sagen wir hätten es nicht versucht. Durch die immer
noch vollen Strassen zwängen wir uns zurück zum Hotel.

Die Plaza das Armas in der Nacht des 24. Dezember 2001
25.12.2001, Dienstag
Am Dienstag unternehmen wir den Ausflug ins
Valle Sagrado, das Heilige Tal der Inka
26.12.2001, Mittwoch
Heute soll mal ein ruhiger Tag werden. Nach dem Frühstück gehts zu AeroContinente, um unseren
Flug nach Lima zu bestätigen. Kein Problem, in 5 Minuten erledigt.
Anschliessend weiter zum Bahnhof, Fahrkarten für Machu Picchu kaufen. Es gibt zur Zeit zwei
Möglichkeiten für Touristen, ab Cusco zum Machu Picchu zu fahren: Den Autovagón, mit teilweise
verglastem Dach, der bereits um 6:30 Uhr ab Cusco losgeht und 70 US$ pro Person kostet oder
den Tren Economico (Backpacker Express) der für 40 US$ fährt und um 7:30 startet. Fahrzeit ist
die gleiche, der Backpacker Express geht auch erst eine Stunde später ab Aguas Calientes zurück,
also von der Aufenthaltsdauer kein Unterschied. Somit nehmen wir halt einmal Backpacker ...
Da wir beide noch recht k.o. sind von den letzten Tagen gehen wir erstmal wieder zurück ins Hotel.
Mittags gehen wir dann in die Calle Pampa del Castillo zum Chicharrón Essen. Chicharrón, das ist
gebratenes Fleisch, meistens Schwein, das im Topf zusammen mit Kartoffeln gebraten wird.
Dazu gibt es Mais (Choklo) und Salat aus Zwiebel und Pfefferminz. Eine Riesenportion, die für zwei
reicht, und sehr lecker. Die Wirtin war ganz stolz, Touristen in ihrem Lokal zu haben, in dem sonst
nur Einheimische sind und wollte auch unbedingt aufs Foto ... ganz ohne Bezahlung.

Beim Chicharrón Essen: Der Gast - und die Köchin
Die Markthallen bei San Pedro hatten wir bislang noch nicht besucht. Es handelt sich dabei um einen
grossen Markt in einer Halle, in dem es nahezu alles Lebensnotwendige zu erwerben gibt. Von
Nahrungsmitteln über Kleidung, Mais in zig Farben und Formen, bis ausserhalb der Hallen auch das
Standard Touristenprogramm, Alpacapullis, etc. Aber ein wirklich schöner Markt und in den Hallen
ziemlich authentisch. Wir kaufen natürlich auch ein ... Trinkschokolade (für zuhause) und noch
eine bunte Decke.
Die Kathedrale steht noch immer auf unserem Programm. Als wir am 24. hinwollten, war ja geschlossen,
heute haben wir mehr Glück. Obwohl sie gerade total restauriert wird und voll mit Gerüsten steht,
drängen sich die Besuchergruppen. Uns erinnert das Innere sehr an die Kathedrale von Sevilla, das
Chorgestühl und die Seitenaltäre mit den hohen Flügeltüren. Aber Pizarro und seine Gefolgsleute
kamen ja aus Andalusiuen, da ist die Ähnlichkeit nicht allzu verwunderlich.
Den Rest des Tages verhalten wir uns noch relativ ruhig, relaxen, trinken Kaffee und Tee und schonen
uns für den Machu Picchu.
27.12.2001, Donnerstag
Donnerstag sind wir unterwegs zum
Machu Picchu